Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins erstmals seit knapp drei Jahren um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent angehoben. Diese Maßnahme hat laut Remax Germany kaum direkte, neue Auswirkungen auf Immobilienkäufer, da die Bauzinsen diese Entwicklung bereits seit Beginn des Ukraine-Krieges vorweggenommen haben. Pressesprecherin Loredana Scirè von Remax Germany stellt fest, dass höhere Zinsen die Finanzierung verteuert haben, der Kauf von Wohneigentum jedoch mit der passenden Strategie nach wie vor möglich ist.
Die effektiven Kosten für ein Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung sind von durchschnittlich etwa 3,5 Prozent im Juni des Vorjahres auf nunmehr knapp 4 Prozent gestiegen. Ein Rechenbeispiel von Remax Germany illustriert die finanziellen Auswirkungen: Bei einem Darlehen über 300.000 Euro und einer anfänglichen Tilgung von zwei Prozent betrug die Monatsrate im Juni des Vorjahres rund 1.375 Euro. Aktuell beläuft sie sich auf circa 1.500 Euro, was einer monatlichen Steigerung von rund 125 Euro oder 1.500 Euro pro Jahr entspricht. Über die Dauer der Zinsbindung führt dies zu Mehrkosten von etwa 15.000 Euro. Scirè betont, dass bei höheren Kreditsummen der Zinsanstieg stärker ins Gewicht fällt und darüber entscheiden kann, ob ein Interessent sich eine Immobilie leisten kann.
Anpassungsstrategien für potenzielle Immobilienkäufer
Angesichts der aktuellen Zinsentwicklung ergeben sich verschiedene Ansatzpunkte für Käufer, ihre Immobilienfinanzierung erfolgreich zu gestalten. Eine Strategie ist die Realisierung einer
- —Planung einer kleineren Immobilie: Durch die Reduzierung der Darlehenssumme kann der Zinseffekt gemildert werden. Eine kleinere, erste Immobilie kann als Sprungbrett für spätere größere Objekte dienen.
- —Optimierung der Tilgungswahl: Eine anfangs höhere Tilgungsrate, idealerweise 1,5 bis 2 Prozent, beschleunigt die Rückzahlung. Der höhere Tilgungsanteil durch gestiegene Zinsen, obwohl teuer erworben, fördert die schnellere Schuldentilgung.
- —Vergleich und Neubewertung von Lagen: Der deutsche Immobilienmarkt zeigt Bewegung. Wirtschaftsstrukturelle Veränderungen führen dazu, dass in verschiedenen Märkten neue Immobilienangebote verfügbar werden, die attraktive Alternativen zu etablierten Wunschvierteln darstellen können. Hier kann eine flexible Betrachtung der Lage von Vorteil sein.
- —Stärkung des Eigenkapitals: Ein höherer Eigenkapitaleinsatz reduziert den Bedarf an Fremdkapital und damit die Belastung durch hohe Zinsen. Banken honorieren niedrigere Beleihungsausläufe, idealerweise unter 80 oder 60 Prozent des Kaufpreises, mit besseren Konditionen. Systematisches Ansparen ist hierbei essenziell.
- —Bereithalten finanzieller Puffer: Nicht das gesamte Ersparte sollte in die Finanzierung fließen. Eine finanzielle Reserve von mindestens drei Netto-Monatsgehältern ist ratsam, um unerwartete Ausgaben abzufedern. Zudem empfiehlt sich ein umfassender Vergleich von Bankangeboten und das Achten auf Sondertilgungsrechte.
Remax Germany stellt fest, dass der deutsche Immobilienmarkt aktuell eine signifikante Dynamik aufweist. Wirtschaftsstrukturelle Veränderungen, beispielsweise in der Automobilindustrie, beeinflussen Lebensentwürfe und führen zu einer beruflichen und regionalen Neuorientierung von Menschen. Dies hat zur Folge, dass in vielen Märkten Immobilien auf den Markt kommen, deren Verfügbarkeit vor wenigen Jahren nicht gegeben gewesen wäre. Potenzielle Käufer werden ermutigt, bei der Lage flexibel zu agieren und auch abseits der primären Wunschlagen attraktive Objekte zu prüfen. Es wird zudem geraten, Preisvorstellungen an das aktuelle Zinsniveau anzupassen und Verhandlungsbereitschaft zu zeigen, da Verkäufer, die unter Zugzwang stehen, eher zu Zugeständnissen beim Kaufpreis neigen. Immobilienmakler unterstützen sowohl Verkäufer als auch Käufer bei der marktgerechten Preisfindung und erleichtern die Finanzierungsabwicklung durch Kontakte zu Banken oder Finanzierungsvermittlern.




