Laut der aktuellen European Lender Intentions Survey des Immobiliendienstleisters CBRE verbessert sich die Haltung der Kreditgeber gegenüber dem Büroimmobiliensektor. Büroobjekte avancierten in der Attraktivitätsskala der befragten Institute auf den dritten Rang, ein Anstieg um drei Plätze gegenüber der Erhebung von 2025.
Betrachtet man die Kreditgebertypen detailliert, so wurden Büroimmobilien bei Banken lediglich von Wohnimmobilien übertroffen. Dies deutet auf ein wiederhergestelltes Vertrauen in die Fundamentaldaten dieses Segments hin. Chris Gow, Head of Debt Advisory Europe bei CBRE, hebt hervor, dass die Ergebnisse der Umfrage die Übereinstimmung zwischen der Absicht der Marktteilnehmer und der tatsächlichen Marktaktivität aufzeigen. Finanzierungsmargen sind rückläufig, was günstigere Konditionen ermöglicht, während gleichzeitig steigende Investitionsvolumina und ein weiterhin begrenztes Angebot die Stärke des Sektors unterstreichen.
Investitionsvolumina und Finanzierungsbereitschaft
Das Investitionsvolumen für Büroimmobilien in Europa erreichte im ersten Quartal 2026 ein positives Ergebnis von 10,7 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das Gesamtjahr 2025 verzeichnete ein Volumen von 48,5 Milliarden Euro, ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Beispiel für die Bereitschaft der Banken, großvolumige Bürotransaktionen zu finanzieren, ist das Pariser Bürogebäude Trocadéro, welches im vergangenen Jahr die größte Finanzierung eines Einzelobjekts in Europa seit der Pandemie erhielt und von CBRE veräußert wurde.
Der Wohnsektor behauptet weiterhin den Spitzenplatz im Ranking der bevorzugten Segmente, gefolgt von Industrie- und Logistikimmobilien, wie Prof. Dr. Ralf J. Klann, Head of Debt and Structured Finance Germany, feststellt. Obwohl Rechenzentren von wenigen Kreditgebern als primärer Sektor genannt wurden, hat sich die Stimmung hier signifikant verbessert. Neu abgeschlossene Finanzierungen in diesem Bereich wiesen höhere durchschnittliche Loan-to-Value-Quoten auf als im Vorjahr. Kreditgeber richten ihren Fokus zunehmend auf Rechenzentren, angesichts deren zentraler Rolle für die digitale Infrastruktur und das Wachstum der Künstlichen Intelligenz. Klann weist jedoch auch darauf hin, dass einigen Marktteilnehmern aufgrund begrenzter Erfahrung noch die notwendige Überzeugung fehle.
Alternative Segmente und Ausblick
Alternative Immobiliensegmente wie Co-Living, bezahlbarer Wohnraum, Seniorenwohnen, Gesundheitsimmobilien und Self-Storage gewinnen ebenfalls an Bedeutung. 86 Prozent der Kreditgeber planen, mindestens eines dieser Segmente zu finanzieren, was einem Anstieg von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Während Banken primär wohnungsnahe Teilsegmente bevorzugen, zeigen Nichtbanken eine höhere Offenheit für ein breiteres Spektrum alternativer Nutzungsarten.
Rund 72 Prozent der Kreditgeber beabsichtigen eine Ausweitung ihrer Kreditvergabeaktivitäten im Vergleich zum Vorjahr, was auf eine weiterhin robuste Liquidität an den Immobilienfinanzierungsmärkten in Europa hinweist. Die Studie offenbart zudem eine deutlich erhöhte Bereitschaft zur Bereitstellung von Fremdkapital für Projektentwicklungen. Der Anteil der Kreditgeber, die solche Finanzierungen anbieten möchten, stieg von 60 Prozent im Jahr 2025 auf 69 Prozent im Jahr 2026. Nichtbanken weisen hier mit 81 Prozent eine höhere Risikobereitschaft auf, während Banken sich fast ausschließlich auf Senior Loans konzentrieren. Dr. Jan Linsin, Head of Research Germany bei CBRE, resümiert, dass die verbesserte Stimmung über alle Immobiliensegmente hinweg auf eine Verbesserung der Fundamentaldaten am Immobilienmarkt hindeutet, auch wenn die geopolitische Lage weiterhin eine Rolle spielt. Für die zweite Jahreshälfte wird eine starke Nachfrage nach neuen Finanzierungen erwartet, da Institute ihre Budget- und Allokationsziele vor Jahresende erfüllen wollen.




