Für einen signifikanten Anteil der derzeit in Deutschland angebotenen Wohnimmobilien fehlt eine ausgewiesene Energieeffizienzklasse. Eine Untersuchung von Town & Country Haus, basierend auf der Analyse von über 12.000 Immowelt-Inseraten, belegt, dass bundesweit 49,71 Prozent der zum Verkauf stehenden Gebäude keinen Energieausweis besitzen. Diese Situation birgt potenzielle Risiken für Eigentümer, insbesondere im Hinblick auf bevorstehende gesetzliche Anpassungen.
Die neue EU-Gebäuderichtlinie, deren Umsetzung in nationales Recht bis zum 29. Mai 2026 vorgesehen ist, befindet sich in Deutschland derzeit im Gesetzgebungsverfahren. Sie wird voraussichtlich strengere Anforderungen an die energetische Bewertung von Immobilien etablieren. Schon heute entstehen Eigentümern ohne gültigen Energieausweis Nachteile im Rahmen von Verkaufsprozessen, bei der Vermietung oder der Finanzierung.
Regionale Unterschiede und Handlungsbedarf
Die Analyse identifiziert erhebliche regionale Unterschiede bezüglich der Verfügbarkeit von Energieausweisen in den 30 größten Städten Deutschlands. In einigen Metropolen liegt der Anteil der Immobilien ohne Energieeffizienzklasse deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Leipzig führt diese Statistik mit 70,93 Prozent an, gefolgt von Bielefeld (67,11 Prozent) und Mannheim (65,71 Prozent). Auch Dresden (64,85 Prozent) und Wuppertal (63,24 Prozent) weisen hohe Anteile auf. In den drei größten deutschen Städten – Berlin, München und Hamburg – liegt für mehr als die Hälfte der Gebäude, konkret 54 Prozent, kein Energieausweis vor.
Im Gegensatz dazu zeigen Städte wie Bremen (25,74 Prozent), Kiel (25,95 Prozent), Hannover (31,63 Prozent), Münster (33,33 Prozent) und Stuttgart (37,92 Prozent) deutlich niedrigere Quoten. Diese divergierenden Szenarien verdeutlichen den unterschiedlichen Grad des Handlungsbedarfs auf kommunaler Ebene.
Bedeutung des Energieausweises und Handlungsempfehlungen
Benjamin Dawo, Geschäftsführer bei Town & Country Haus, betont die zentrale Rolle des Energieausweises: „Eigentümer ohne gültigen Energieausweis riskieren nicht nur Verzögerungen im Verkaufsprozess und rechtliche Unsicherheiten, sondern schwächen auch ihre Verhandlungsposition erheblich." Er fügt hinzu, dass der Energieausweis als zentrales Pflichtdokument bei Immobilientransaktionen zu betrachten ist, unabhängig von den zukünftigen EU-Regulierungen.
Im Angesicht der erwarteten strengeren EU-Vorgaben wird der Bewertungsdruck auf Immobilien steigen. Energieeffizienz, CO₂-Emissionen und Sanierungsbedarf werden mittel- bis langfristig eine größere Bedeutung bei der Bewertung und Vermarktung von Objekten erlangen. Es wird Eigentümern empfohlen, ihre Immobilie frühzeitig zu dokumentieren und energetische Kennzahlen zu prüfen, insbesondere bei älteren oder unsanierten Gebäuden. Eine frühzeitige Prüfung des energetischen Zustands kann durch einen Energieausweis oder eine Energieberatung erfolgen, um Verbrauchsdaten, Modernisierungsstand und potenzielle Schwachstellen präzise einzuordnen und zielgerichtete Sanierungsmaßnahmen zu planen. Dies ermöglicht es, auf die Anforderungen von Käufern, Banken und Investoren adäquat zu reagieren.




