Vom 17. bis zum 20. August 2026 fand auf dem EBZ-Campus in Bochum das fünfte EBZ-KlimaCamp statt. Vierzig junge Auszubildende aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft setzten sich mit der Frage auseinander, wie Wohnraum bezahlbar bleiben kann, während gleichzeitig Gebäude klimafreundlicher werden und Städte sich an veränderte ökologische Anforderungen wie Hitze und Starkregen anpassen müssen. Die Veranstaltung verdeutlichte, dass die Transformation der Wohnungswirtschaft primär im Bestandssegment stattfindet und eine über rein technische Aspekte hinausgehende Komplexität aufweist.
Prof. Dr.-Ing. Philip Engelhardt, Professor für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der EBZ Business School und wissenschaftlicher Leiter des KlimaCamps, legte den fachlichen Rahmen. Er betonte, dass es nicht darum gehe, den jungen Teilnehmern fertige Lösungen zu präsentieren, sondern vielmehr die engen Verflechtungen von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen aufzuzeigen. Klimaschutz und Klimaanpassung müssen demnach innerhalb ökologischer Grenzen umgesetzt werden, ohne dabei die Bezahlbarkeit von Wohnraum und soziale Bedürfnisse zu vernachlässigen.
Klima als wirtschaftliche Chance
Prof. Dr.-Ing. Armin Just, Professor für Bautechnik an der EBZ Business School, unterstrich den Handlungsdruck und sah Klimaschutz sowie Klimaanpassung als eine gemeinsame Aufgabe für Gebäude und Quartiere. Er sprach sich dafür aus, wirtschaftliche Dynamiken als Teil der Lösung zu verstehen. Sobald Akteure im Klimaschutz und der Klimaanpassung ein Geschäftsmodell erkennen und Wohlstand generieren können, so seine Ausführung, werde der Kapitalismus zum Motor für die notwendigen Veränderungen. Die Workshops des KlimaCamps ermöglichten den Teilnehmern, eigene „Quartiere der Möglichkeiten“ zu entwerfen, wobei Themen wie Entsiegelung, Verschattung, Biodiversität, energetische Sanierung, Photovoltaik, Mieterstrom sowie soziale Angebote und neue Wohnformen im Quartier behandelt wurden.
Praktische Einblicke boten Exkursionen. Bei der hwg eG in Hattingen wurden serielle Sanierungsmethoden, vorgefertigte Fassadenelemente, Holzbau und Photovoltaik im Bestand thematisiert. In Wuppertal zeigte die Neue Effizienz, wie nachhaltige Mobilität, die Energie- und Wärmewende im Quartier zusammenwirken können, von Mobilstationen bis zur Kreislaufwirtschaft.
Standards und bezahlbarer Wohnraum
Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen, griff die Kostendebatte im Wohnungsbau auf. Nach einem Treffen mit Bundesbauministerin Verena Hubertz plädierte er für eine stärkere Hinterfragung von Baustandards und verwies auf niederländische Modelle, bei denen trotz einfacherer Bauweisen die Wohnqualität gewahrt bleibe und serielle Bauweisen erfolgreich angewendet werden. Er betonte die Notwendigkeit, einen Spagat zwischen bezahlbarem Wohnen, Klimaanpassung und der sinnvollen Weiterentwicklung des Bestandes zu meistern, geleitet vom Prinzip „Efficiency first“ – gezielte Sanierung statt umfassender Umsetzung des technisch Machbaren.
Die Podiumsdiskussion „Bezahlbar Wohnen – Klima schonen!“ beleuchtete die Konfliktträchtigkeit dieser Aufgabe. Unter Moderation von Prof. Dr.-Ing. Philip Engelhardt diskutierten Dr. Kathrin Manthei von der GEBAG, Dr. Hans-Jochem Witzke vom Deutschen Mieterbund NRW, Sascha Rodenberg von der NRW.BANK, Fabian Kohlmann von der hwg eG sowie Leonie Gröning vom Forschungsinstitut InWIS. Die Diskussion umfasste die Modernisierung im Bestand, soziale Verträglichkeit, Energieversorgung und Mieterstrom. Ein zentraler Punkt war die Abwägung zwischen wirtschaftlich machbarer Sanierung und der Tragbarkeit für Mieter. Es herrschte Konsens, dass primär beim Energieträger angesetzt werden sollte, um CO₂-Emissionen zu reduzieren, da umfassende energetische Renovierungen die Wohnkosten erheblich steigern könnten.
Abschließend präsentierte Prof. Dr.-Ing. Heiko Gsell von der EBZ Business School digitale Anwendungen zum Energiesparen. Marco Pitzer, Organisationsleiter des EBZ, zog eine positive Bilanz des KlimaCamps und würdigte insbesondere Jana Hintze, Maurine Ewald, Johanna Lange und Mathis Homann von der Workshopleitung für ihren Beitrag zum Erfolg des Formats.














