Listenchampion, ein Anbieter für Immobiliendatenbanken, verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 437 Ankäufe deutscher Immobilien. Diese Analyse verdeutlicht eine strukturelle Verlagerung im deutschen Investmentmarkt. Wohnimmobilien positionierten sich dabei als die bevorzugte Assetklasse, während Büroimmobilien lediglich etwa jeden zehnten Deal ausmachten. Auf der Käuferseite prägten Family Offices, private Investoren und spezialisierte Bestandshalter das Marktgeschehen.
Die fortlaufende Erfassung und Aufbereitung öffentlich bekannter Immobilientransaktionen erfolgt durch Listenchampion systemisch nach Assetklassen, Regionen sowie beteiligten Käufern und Verkäufern. Die Daten, die über das eigene Transaktionsportal bereitgestellt werden, umfassen Transaktionen vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2026, was im Durchschnitt mehr als zwei Ankäufe pro Kalendertag bedeutet.
Marktanteile nach Assetklassen und Regionen
Die Assetklasse Wohnen war mit 123 Transaktionen, entsprechend 28 Prozent des Gesamtmarktgeschehens, am stärksten vertreten. Büroimmobilien erreichten hingegen nur 47 Transaktionen, was einem Marktanteil von 10,8 Prozent entspricht. Logistik- und Light-Industrial-Immobilien machten knapp 16 Prozent der Deals aus, repräsentierten jedoch mit über 1,8 Millionen Quadratmetern die größte gehandelte Fläche. Gesundheits- und Pflegeimmobilien etablierten sich mit 23 Transaktionen (5,3 Prozent) als eigenständiges Marktsegment. Die Kombination aus Wohnen, Mixed-Use und Handel trug mit 278 Transaktionen nahezu zwei Drittel des gesamten Marktes. Das Handelssegment erwies sich mit 73 Transaktionen als robust, primär getragen von Fachmarktzentren und Nahversorgungsimmobilien.
Hinsichtlich der Flächenangaben zeichnet sich ein differenziertes Bild ab. Die Summe der erfassten Nutzflächen, zu denen Angaben vorlagen, belief sich auf über 4,3 Millionen Quadratmeter. Davon entfielen rund 1,2 Millionen Quadratmeter auf Logistikimmobilien und weitere knapp 600.000 Quadratmeter auf Light-Industrial-Flächen. Bedeutende Transaktionen im ersten Halbjahr umfassten den Erwerb eines Logistikportfolios im Raum Duisburg/Düsseldorf mit etwa 180.000 Quadratmetern durch Frasers Logistics & Commercial Trust, den Ankauf eines Logistikpakets von 139.000 Quadratmetern durch Prologis von Union Investment sowie ein Wohnportfolio von etwa 115.000 Quadratmetern, welches von Breevast akquiriert wurde.
Akteure und regionale Verteilung
Nordrhein-Westfalen führte das Bundesländer-Ranking mit 101 Transaktionen an, gefolgt von Bayern mit 65 und Baden-Württemberg mit 48 Transaktionen. Auf Städteniveau lagen Berlin (35), München (31) und Hamburg (22) an der Spitze, wobei eine zunehmende Aktivität in B- und C-Städten wie Duisburg, Bremen, Nürnberg und Bonn festzustellen war. Family Offices und private Investoren waren für rund 14 Prozent der Ankäufe verantwortlich, was auf eine strategische Nutzung der aktuellen Marktphase durch eigenkapitalstarke Akteure hindeutet. Zu den aktivsten Käufern zählten die Saller Unternehmensgruppe (6 Transaktionen), die Deutsche Fachmarkt AG (DEFAMA) und TSC Real Estate (jeweils 5), sowie die VK Immobilien Gruppe, IMAXXAM und DPI Deutsche Projekt Invest (jeweils 4). Weitere aktive Käufer waren unter anderem HIH Invest Real Estate, Aachener Grundvermögen, die Deutsche Investment Kapitalverwaltung und die BlueRock Group.
Manuel Zilly, Research-Lead von Listenchampion, kommentierte, dass der deutsche Immobilienmarkt dynamischer sei, als es Schlagzeilen oft suggerierten. Das Geschehen werde primär von einer Vielzahl mittelgroßer Transaktionen getragen, an denen Family Offices, Privatinvestoren und spezialisierte Bestandshalter maßgeblich beteiligt seien, anstatt von großen Portfolio-Deals. Die detaillierte Betrachtung auf Transaktionsebene sei entscheidend, um die aktuellen Marktbewegungen in Deutschland zu erfassen.




