Beton stellt weltweit den dominierenden Baustoff dar, wobei über die Hälfte der Produktion als Transportbeton regional hergestellt und innerhalb eines 20-Kilometer-Radius ausgeliefert wird. Aktuelle Pläne der EU-Kommission sehen eine europaweite Vereinheitlichung der Betonnormen vor, eine Initiative, die in Bayern sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik kritisch bewertet wird.
Bayerns Bauminister Christian Bernreiter äußerte Bedenken hinsichtlich dieser Vereinheitlichung. Er hob hervor, dass Transportbeton schnell aushärtet und daher ein europaweiter Transport oder eine Harmonisierung der Normen nicht erforderlich sei. Das etablierte deutsche System der Betonnormen, welches sich als sehr funktional erwiesen hat, müsste durch diese Maßnahme aufwendig angepasst werden. Dieser Prozess würde mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Potenzielle Kostensteigerungen und Innovationshemmnisse
Bernreiter warnte, dass die resultierenden erheblichen Mehrkosten für kleinere Baustoffhersteller existenzbedrohend sein könnten und dass Bauen dadurch insgesamt teurer werde. Der Prozess zur Harmonisierung der europäischen Betonnormen wurde im Rahmen der neuen EU-Bauproduktenverordnung von der EU-Kommission initiiert. Die Anforderungen an Beton variieren innerhalb der Europäischen Union signifikant, bedingt durch diverse klimatische Bedingungen.
Der bayerische Bauminister führte aus, dass diese Unterschiede nicht in einer einzigen harmonisierten Norm abgebildet werden können. Da Transportbeton ein halbfertiges Bauprodukt ist, können die endgültigen Leistungseigenschaften zum Zeitpunkt der Lieferung nicht vollständig bestimmt werden. Während die EU-Kommission durch die Harmonisierung ein innovationsfreundliches Umfeld schaffen möchte, sieht Bernreiter das Gegenteil eintreten.
Forderung nach Subsidiarität und Stopp des Normungsprozesses
Eine EU-weite Regelung würde schnelle Anpassungen an neue technische Entwicklungen erschweren, da jede Änderung einen langwierigen Koordinierungsprozess auf europäischer Ebene erfordern würde. Dies würde die geplante Zentralisierung als innovationsfeindlich erweisen. Fachliche Argumente wurden in Brüssel bisher offenbar nicht berücksichtigt.
Der Eingriff der EU in das funktionierende deutsche System widerspricht nach Ansicht Bernreiters dem Subsidiaritätsprinzip. Er forderte die EU-Kommission auf, den aufwendigen Normungsprozess zu stoppen, um eine weitere Verteuerung des Bauens durch eine neue Flut von Normen zu verhindern.














