Deutsche Banken rechnen mit einer fortgesetzten Herausforderung im Sektor der Gewerbeimmobilien. Eine zügige Erholung wird derzeit von den Instituten als unwahrscheinlich eingeschätzt. Obgleich eine Stabilisierung oder ein leichter Rückgang des Anteils notleidender Kredite in den Portfolios erwartet wird, bleibt das Marktumfeld nach Einschätzung der befragten Workout-Verantwortlichen volatil. Dies geht aus einer aktuellen Studie von Roland Berger hervor.
Für die Untersuchung wurden Workout-Manager führender deutscher Banken befragt, deren gewerbliches Immobilienkreditvolumen kumuliert mehr als 110 Milliarden Euro beträgt. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde bezifferte die sogenannte NPL-Quote (Non-Performing Loans) im deutschen CRE-Segment (Commercial Real Estate) Ende des vergangenen Jahres auf 6,91 Prozent. Dies entspricht über 30 Prozent des EU-weiten Volumens notleidender Immobilienkredite, die auf Deutschland entfallen.
Marktprognosen und Problemsegmente
Die Erwartungen für den deutschen Gewerbeimmobilienmarkt sind differenziert. 45 Prozent der Befragten antizipieren für die Jahre 2026 und 2027 eine leichte Verschlechterung, während 26 Prozent von einer Stabilisierung und 29 Prozent von einer leichten Erholung ausgehen. Eine signifikante Erholung des Marktes erwartet demnach keiner der Umfrageteilnehmer. Büroimmobilien bleiben hierbei ein explizit kritischer Bereich. Alle Befragten sehen in diesem Segment den ausgeprägtesten Anstieg der Kreditrisiken und die größten Preisrückgänge bis Ende 2027 voraus.
Auch Einzelhandelsimmobilien stehen weiterhin unter Druck. 71 Prozent der Befragten identifizieren Retail-Finanzierungen als ein deutliches Risikosegment; 88 Prozent rechnen mit weiteren Preisrückgängen in diesem Bereich. Die Banken setzen beim Abbau notleidender Kredite primär auf Restrukturierungen mit den Kreditnehmern, was von 96 Prozent der Institute favorisiert wird. Weiterhin spielen Immobilienverkäufe (67 Prozent) und der Verkauf einzelner NPL-Engagements (56 Prozent) eine Rolle. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird allerdings durch geringe Marktliquidität, niedrige Verkaufspreise und komplexe Finanzierungsstrukturen erschwert. Intern nennen die Banken die Komplexität der Engagements (70 Prozent) und begrenzte personelle Kapazitäten (64 Prozent) als zentrale Hürden.
Lösungsansätze und verfügbares Kapital
Roland Berger spricht sich für ein proaktives, datenbasiertes NPL-Management aus. Dies erfordere klare Kriterien für Restrukturierung, Verkauf oder alternative Lösungen. Als potenzielle Instrumente zur Entlastung werden professionelle Auffanggesellschaften und Treuhandmodelle genannt. Diese können dazu beitragen, problematische Immobilienprojekte zu stabilisieren, wertsteigernde Maßnahmen zu implementieren und Verkäufe terminlich zu verschieben. Für deutsche Immobilien steht laut Roland Berger signifikantes Kapital bereit, das als relevantes Dry Powder bezeichnet wird. Dieses beläuft sich auf rund 79 Milliarden Euro, wovon etwa 37 Milliarden Euro aus Private Equity und 42 Milliarden Euro aus Private Credit stammen.




