Die Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbundes nach einem Mietenstopp, begründet mit einem angeblichen Anstieg der Angebotsmieten um 50 Prozent in baden-württembergischen Großstädten innerhalb der letzten zehn Jahre, stößt bei Vertretern der Immobilienwirtschaft auf Kritik. Joachim Rudolf, Vorsitzender von Haus & Grund Stuttgart, und Geschäftsführer Ulrich Wecker äußerten sich hierzu. Sie sehen in der DGB-Forderung eine unzureichende Kenntnis des Wohnungsmarktes und der Funktionsweise von Marktwirtschaft.
Rudolf und Wecker wiesen darauf hin, dass weder eine Mietenexplosion vorliege noch ein Mietenstopp zur Schaffung von Wohnraum beitragen würde. Sie bezeichneten die Position des DGB als „billigen Populismus“. Ferner regten sie an, dass der DGB seine Kernaufgaben verfolgen solle, nämlich sich für auskömmliche Löhne einzusetzen. Diese Löhne könnten dann wiederum die Basis für marktgerechte Mieten bilden, die eine angemessene Rendite für Vermieter ermöglichen.
Stuttgarter Mietmarkt: Stagnation und sinkende Investitionsbereitschaft
Die Realität auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt zeige eine Stagnation der Mieten. Die Mietbelastung der Haushalte liege unter den Kriterien der Mietpreisbremse. Rudolf betonte, dass viele private Vermieter eine Beendigung ihres Engagements in Betracht zögen. Ein Mietenstopp würde das Eigentumsrecht gefährden und die Investitionen in Wohnraum vollständig zum Erliegen bringen, was als „Todesurteil für den Wohnungsmarkt“ verstanden werden müsse.
Die Argumentation gegen die Forderungen des DGB basiert auf mehreren Punkten. Erstens bilden Angebotsmieten, wie sie auf Internetportalen präsentiert werden, nicht den gesamten Wohnungsmarkt ab, sondern nur einen geringen Teil der tatsächlichen Mietverhältnisse. Zweitens folgt die Mietenentwicklung häufig der Lohnentwicklung. In Stuttgart stiegen die vom DGB herangezogenen Angebotsmieten zwischen 2015 und 2025 um 37 Prozent, während die Löhne um 31 Prozent zunahmen. Drittens zeigen die tatsächlichen Mieten laut Mietspiegel ein differenzierteres Bild: Sie stiegen von 8,44 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2015 auf 11,15 Euro pro Quadratmeter, was einem Anstieg von 32 Prozent entspricht.
Viertens bestätigte der Wohnungsmarktbericht 2025 der Stadt Stuttgart, dass eine Mietbelastung von 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens als angemessen gilt. Die durchschnittliche Mietbelastungsquote in Stuttgarter Haushalten liegt bei 29 Prozent. Fünftens stagnieren die Einwohner- und Haushaltszahlen in Stuttgart seit Jahren, während gleichzeitig neue Wohnungen hinzugekommen sind. Aktuell zählt Stuttgart 604.000 Einwohner. Sechstens verzeichnete der aktuelle Mietspiegel in Stuttgart eine nominale Steigerung von lediglich einem Prozent in zwei Jahren, was real, unter Berücksichtigung von Inflation und Lohnentwicklungen, einem Rückgang gleichkommt. Der Maklerverband IVD registrierte für das erste Halbjahr 2025 ein Nullwachstum bei den Mietpreisen.
Instrumente wie die Mietpreisbremse hemmen Investitionen in Wohnraum und erschweren das Vermieten in Stuttgart zunehmend. Diese Maßnahmen erzeugen nicht den erhofften günstigen Wohnraum, sondern reduzieren das Wohnungsangebot, da sich Investitionen und Vermietung finanziell weniger lohnen. Mietpreisbegrenzungen oder ein Mietenstopp tragen zudem nicht dazu bei, bedürftige Personen mit Wohnraum zu versorgen. Im Gegenteil können solche Regulierungen dazu führen, dass gut situierte Mieter große Wohnungen zu geringen Mieten nutzen, während bei der Mieterauswahl weiterhin solvente Interessenten bevorzugt werden.




