Die Immobilienbranche sieht sich zunehmend mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert, insbesondere mit extremen Hitzeperioden. Michael Farmakis, Geschäftsführer der City 1 Group, stellt fest, dass dies eine ähnliche Relevanz wie das Heizungsgesetz in der jüngeren Vergangenheit erlangen wird. Das Unternehmen, tätig in Deutschland und Griechenland, entwickelt Baukonzepte, die Innenräume auch bei hohen Außentemperaturen ohne dauerhaften Klimaanlagenbetrieb temperiert halten. Dies sei besonders relevant angesichts des neuen Hitzerekords in Deutschland, der am 27. Juni mit 41,8 Grad Celsius verzeichnet wurde.
Bauliche Maßnahmen in Neu-Isenburg und Athen
Ein Beispiel dieser Strategie ist das Bürogebäude 'Epsilon Office' in Neu-Isenburg an der Friedhofstraße 90. Dort vermietet die City 1 Group auf rund 4.000 Quadratmetern Bürofläche in neun Einheiten. Die Kühlung basiert auf mehreren aufeinander abgestimmten baulichen Elementen. Außenjalousien fungieren als primärer Sonnenschutz und verhindern das direkte Eintreten der Sonnenenergie in den Gebäudekörper. Eine Vollklimatisierung mit Frischluftzufuhr reguliert den Luftaustausch. Des Weiteren tragen 3 Meter hohe Decken dazu bei, dass warme Luft über der Kopfhöhe der Nutzer zirkuliert. Ein Unterflur-Hohlraum nimmt Leitungen für Kühlung und Technik auf. Das Gebäude weist einen Endenergiebedarf von 86 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr auf und wird mit Holzpellets beheizt, was einer Effizienzklasse B entspricht. Herr Farmakis hebt hervor, dass die Entscheidung für diese Lösungen im Jahr 2019 bewusst getroffen wurde, um eine langfristige Amortisation über zwanzig Jahre zu gewährleisten, auch wenn die anfänglichen Investitionskosten höher waren.
Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wird von Mietern bestätigt. Nikola Markovic, Geschäftsführer der Celius Intensivpflege GmbH, die seit April 2025 rund 370 Quadratmeter des Gebäudes nutzt, berichtet von einem positiven Einfluss auf die Arbeitsatmosphäre und die Konzentrationsfähigkeit der Mitarbeiter während der Sommermonate. Auch im Projekt 'Icon Living' an der Athener Riviera verfolgt die City 1 Group ein ähnliches Konzept. Das aus zwei fünfgeschossigen Gebäuden mit insgesamt 15 Apartments zwischen 140 und 400 Quadratmetern bestehende Projekt befindet sich auf einem etwa 3.000 Quadratmeter großen Grundstück in Glyfada. Obwohl die Apartments nach Westen ausgerichtet sind und somit direkter Nachmittagssonne ausgesetzt sind, wurden architektonische Lösungen implementiert, um eine Überhitzung zu vermeiden, während der Blick auf den Golfplatz, das Meer und den Sonnenuntergang erhalten bleibt. Dachbegrünung, Wasserflächen zwischen den Gebäuden sowie ein 22 Meter langer Gemeinschaftspool ergänzen die Außenanlagen.
Natürliche Kühlkonzepte und zukünftige Entwicklungen
Im Frankfurter Holzhausenviertel implementierte die City 1 Group beim Ensemble 'Edenholz' eine weitere, natürliche Kühlstrategie. Bestehende, ausgewachsene Bäume wurden nicht gefällt, sondern in die Planung der vier Wohnhäuser integriert. Dieser Baumbestand spendet Schatten auf den großzügigen Außenanlagen zwischen den Gebäuden. Michael Farmakis merkt an, dass die Erhaltung von Bäumen zwar zusätzliche Abstimmungsprozesse mit Behörden in der Bauphase erfordert, jedoch sofortigen Schatten spendet, im Gegensatz zu neu gepflanzten Bäumen, die erst nach Jahrzehnten eine vergleichbare Größe erreichen. Das Ensemble 'Edenholz' wurde 2018 mit dem iF Design Award ausgezeichnet.
Für die kommenden Jahre plant die City 1 Group die Realisierung von zehn weiteren Immobilienprojekten mit einer Gesamtfläche von 56.000 Quadratmetern Wohnfläche, was etwa 650 neuen Wohnungen entspricht. Davon sollen rund 200 Einheiten in den nächsten zwölf Monaten in Dreieich, Neu-Isenburg, Hochheim, Wiesbaden und Frankfurt in Bau gehen. Bei jedem dieser Vorhaben wird von Anfang an geprüft, wie die Gebäude ohne dauerhaften Klimaanlagenbetrieb kühl gehalten werden können. Farmakis betont, dass die anfänglich höhere Planungszeit für Außenjalousien, die Integration alter Bäume oder die Ausrichtung nach dem Sonnenstand eine Investition sei, die sich langfristig für die Bewohner und Nutzer auszahle.














