Der Klimawandel beeinflusst die Risikolandschaft für Gebäude in Deutschland fundamental. Eine umfassende Untersuchung von Wüest Partner in Kooperation mit CLIMADA Technologies beleuchtet erstmals die zukünftigen physischen Klimarisiken für einen Großteil des deutschen Gebäudebestands. Die Analyse von circa 23 Millionen Objekten verdeutlicht, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts mit deutlichen Veränderungen der Risikobewertungen zu rechnen ist. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit individueller Risikoanalysen, die für fundierte Investitions-, Bewertungs- und Standortentscheidungen von zunehmender Bedeutung sein werden.
Die Studie untersucht die Entwicklung verschiedener Klimaphänomene wie Hitze, Starkregen, Fluss- und Küstenhochwasser, Stürme sowie Erdrutsche und modelliert deren Auswirkungen bis 2050 unter Berücksichtigung unterschiedlicher Emissionsszenarien. Dr. Michael Heigl, Director bei Wüest Partner, hebt hervor, dass Klimarisiken sich zu einem entscheidenden Standort- und Wertfaktor entwickeln. Für Akteure, die in Immobilien investieren oder Portfolios verwalten, gewinne die Berücksichtigung der zukünftigen Klimaresilienz eines Standortes an Relevanz.
Dominanz von Hitzestress und Starkregen
Das Risiko durch Hitzestress wird sich laut der Studie erheblich verstärken. Während in der Vergangenheit nur wenige Gebäude einem hohen oder sehr hohen Hitzestress ausgesetzt waren, könnten bis zum Jahr 2050 je nach Emissionsszenario bis zu zwei Drittel des gesamten Gebäudebestands betroffen sein. Besonders gefährdet sind die südlichen und mittleren Regionen Deutschlands sowie urbane Verdichtungsräume. Mit steigenden Emissionen wird eine Ausbreitung dieser Risiken auch in nördlichere Gebiete erwartet.
Starkregen etabliert sich ebenfalls als eines der größten Klimarisiken für Immobilien. Die Fähigkeit wärmerer Luft, mehr Feuchtigkeit zu speichern, führt zu intensiveren Niederschlagsereignissen. Der Anteil gefährdeter Gebäude könnte von aktuell rund 0,4 Prozent auf über 10 Prozent bis 2050 ansteigen. Das höchste Risiko besteht weiterhin in Süddeutschland und den Mittelgebirgen, erfährt jedoch eine Ausdehnung in Richtung Norden und Westen. Im Kontrast dazu könnte das Risiko klassischer Flusshochwasser in einigen Regionen abnehmen, während lokale Überflutungen durch Starkregenereignisse und Oberflächenabfluss zunehmen.
Für weitere Klimarisiken zeigen sich ebenfalls regionale Dynamiken. Das Küstenhochwasserrisiko verzeichnet einen Anstieg, insbesondere an der Nordseeküste und teilweise an der Ostsee. Das Sturmkrisiko bleibt primär im Norden und Westen Deutschlands präsent, seine weitere Entwicklung ist aber mit Unsicherheiten behaftet. Das Erdrutschrisiko, welches vor allem Mittelgebirgslagen und alpine Randgebiete betrifft, könnte sich je nach Emissionsszenario bis 2050 verdoppeln bis verdreifachen, verbleibt jedoch insgesamt auf einem niedrigen Niveau.
Implikationen für die Immobilienwirtschaft
Die Untersuchungsergebnisse verdeutlichen, dass Klimarisiken eine noch stärkere Berücksichtigung in Entscheidungen bezüglich Investitionen, Bewertungen, Finanzierungen und ESG-Kriterien finden müssen. Die Notwendigkeit standortspezifischer Analysen wird durch die regionale Heterogenität der Risikoprofile unterstrichen. Dr. Michael Heigl bekräftigt, dass die Analyse eine deutschlandweite Datengrundlage geschaffen hat, um physische Klimarisiken objektiv zu bewerten und fundierte Entscheidungen für Bestände, Portfolios und Projektentwicklungen zu ermöglichen. Eine frühzeitige Analyse und Anpassung kann zur Resilienz und zum Werterhalt des Immobilienbestands beitragen.




