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Umnutzung profanierter Kirchen: Debatte und Perspektiven in Hessen

Eine aktuelle Veranstaltungsreihe in der Herz Jesu Kirche in Kelsterbach thematisierte die Zukunft entweihter Kirchengebäude in Hessen und beleuchtete deren Potenzial für eine nachhaltige baukulturelle Weiterentwicklung.

Umnutzung profanierter Kirchen: Debatte und Perspektiven in Hessen

Die Umnutzung von Sakralbauten, die aus ihrer liturgischen Nutzung fallen, gewinnt zunehmend an Relevanz. Vor dem Hintergrund des World Design Capital und des Förderprogramms "Zukunft Innenstadt" fand in der Herz Jesu Kirche in Kelsterbach eine zweitägige Veranstaltung statt, die sich an Fachexperten und die Öffentlichkeit richtete. Ziel war es, die vielschichtigen Fragen rund um den Erhalt und die nachhaltige Nutzung dieser Immobilien zu erörtern. Die Veranstaltung ist als Auftakt einer breiteren Debatte in Hessen zu verstehen, insbesondere nachdem der Hessische Landtag am 12. Juni 2026 einen gemeinsamen Entschließungsantrag von CDU und SPD zu diesem Thema angenommen hat.

Andrej Müller vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum hob die Bedeutung dieser Entwicklung hervor, da sie eine formelle Grundlage für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema schafft. Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin der Integrierten Stadtentwicklung der ProjektStadt, betonte die Rolle der Städtebauförderung, die über reine Finanzhilfen hinaus Kommunikationsstrukturen und Netzwerke etablieren, um die gesellschaftliche Aufgabe der Neuausrichtung von Kirchengebäuden umfassend anzugehen.

Fachdiskurs und Bürgerbeteiligung

Am ersten Veranstaltungstag, einem Freitag, fand die sogenannte „Lange Tafel der Baukultur“ statt. Hierbei versammelte sich das Fachpublikum zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen, die sich mit den architektonischen, städtebaulichen und sozialen Aspekten der Umnutzung von Kirchen befassten. Der darauffolgende Samstag widmete sich einem Workshop, der es Bürgern aus Kelsterbach und den umliegenden Gemeinden ermöglichte, sich kreativ mit den Räumlichkeiten der Herz Jesu Kirche auseinanderzusetzen. Die Teilnehmer entwickelten dabei unter anderem potenzielle Nutzungsszenarien und Grundrisse für die spätere Adaption der Kirche. Der offene Dialog konzentrierte sich auf die Chancen und Möglichkeiten, die sich aus der Nachnutzung von Sakralbauten ergeben.

Ein zentraler Aspekt der Diskussion war die Rolle des Denkmalschutzes. Da die meisten Kirchen unter Denkmalschutz stehende Gebäude sind, war das Landesamt für Denkmalpflege an beiden Tagen durch die Landesdenkmalpflege repräsentiert. Dr. Verena Jakobi, Leiterin der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Landesamt, unterstrich die Notwendigkeit einer frühzeitigen Einbindung aller Stakeholder – Kirche, Kommune und Denkmalpflege – um den Denkmalschutz als gestalterische Chance für eine nachhaltige kulturelle Entwicklung zu nutzen. Die rege Beteiligung am Workshop, trotz hoher Temperaturen, verdeutlichte das signifikante gesellschaftliche Interesse an der Zukunftsgestaltung dieser Immobilien.

Alexa von Wedel, Projektleiterin der ProjektStadt, zeigte sich besonders beeindruckt von der Mitwirkung der Kirchengemeindemitglieder. Ihre spontanen Beiträge, darunter drei kleine Orgelkonzerte und die Initiierung weiterer Pläne für Kirchenführungen und Bastelnachmittage, demonstrierten das latente Potenzial, das in der temporären multifunktionalen Nutzung solcher Immobilien liegt. Als fortlaufendes Projekt wurde im Rahmen des Workshops eine gemeinsame Kunstinstallation unter dem Motto „Kelsterbach bastelt für Frieden, Freiheit und Demokratie“ initiiert, die am 12. September durch den hessischen Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori eröffnet wird und den Startpunkt einer musisch geprägten Kulturreihe in der Herz-Jesu-Kirche markiert.

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