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Veränderungen am Markt: Anlagechancen jenseits öffentlicher Börsen

J.P. Morgan Asset Management beleuchtet die wachsende Bedeutung privater Märkte für Investitionen, da Unternehmen zunehmend länger vor dem Börsengang in Privatbesitz verbleiben und bereits ein großes Wachstum vollzogen haben.

Veränderungen am Markt: Anlagechancen jenseits öffentlicher Börsen

Der Börsengang von SpaceX im Juni, der mit einer Bewertung von annähernd 1,8 Billionen US-Dollar erfolgte und auf über 2 Billionen US-Dollar stieg, verdeutlicht eine signifikante Verschiebung in der Entwicklung von Unternehmen vor ihrem Eintritt in den öffentlichen Kapitalmarkt. Für Aaron Hussein, globaler Marktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, zeigt dieses Beispiel, wie entscheidend der Zugang zu privaten Märkten geworden ist. Unternehmen, die heute an die Börse gehen, sind häufig keine jungen Wachstumsfirmen mehr, sondern etablierte Einheiten, die ihr primäres Wachstum bereits vor dem öffentlichen Debüt realisiert haben.

SpaceX, gegründet im Jahr 2002, blieb 24 Jahre lang in Privatbesitz. Der Umsatz lag beim Börsengang bei 18 Milliarden US-Dollar. Dieser Reifegrad steht im Kontrast zu früheren Börsengängen bedeutender Technologieunternehmen. Amazon ging 1997, drei Jahre nach seiner Gründung, mit einem Jahresumsatz von rund 0,3 Milliarden US-Dollar und einer Bewertung von unter 1 Milliarde US-Dollar an die Börse. Google folgte nach sechs Jahren mit fast 4,8 Milliarden US-Dollar Umsatz und einer 40 Milliarden US-Dollar Bewertung. Meta trat acht Jahre nach Gründung mit 5,4 Milliarden US-Dollar Umsatz und einer Bewertung von rund 151 Milliarden US-Dollar an den Markt.

Veränderte Reifegrade vor dem Börsengang

Während des Technologiebooms der späten 1990er-Jahre ging ein durchschnittliches Technologieunternehmen nach weniger als sechs Jahren an die Börse. Diese Zeitspanne hat sich auf zwölf Jahre verdoppelt. Herr Hussein hebt hervor, dass Unternehmen nicht nur länger in Privatbesitz bleiben, sondern auch in einem grundlegend anderen Reifestadium in die öffentlichen Märkte eintreten. Diese fortgeschrittene Reife manifestiert sich im Jahresumsatz: Heutige Technologieunternehmen erzielen beim Börsengang durchschnittlich fast das Dreifache des Jahresumsatzes typischer Unternehmen aus den 1990er-Jahren, deren Durchschnittsumsatz damals unter 50 Millionen US-Dollar lag.

Der private Markt bietet zunehmend die Möglichkeit zur erheblichen Kapitalbeschaffung. Ein Beispiel hierfür ist Anthropic, das im Mai 2026 im Rahmen einer Serie-H-Finanzierungsrunde 65 Milliarden US-Dollar aufnahm, wodurch der Unternehmenswert auf 965 Milliarden US-Dollar anstieg. Dieser Trend, länger in privater Hand zu verbleiben, spiegelt sich in der Zusammensetzung der Märkte wider. Ein Bericht von Bain & Company aus dem Jahr 2023 stellte fest, dass 86 Prozent der US-Unternehmen mit über 100 Millionen US-Dollar Umsatz weiterhin privat waren. Die öffentlichen Aktienmärkte verzeichnen mittlerweile fast 30 Prozent weniger Unternehmen als Ende der 1990er-Jahre.

Auswirkungen auf Anlagestrategien

Aaron Hussein äußert sich auch zu Bedenken, dass Mega-Cap-Börsengänge das Interesse an anderen Aktien verdrängen könnten. Er sieht hierfür drei wesentliche Gründe, warum sich diese Börsengänge nicht negativ auf die Entwicklung von US-Aktien auswirken dürften. Erstens erfolgt die Aufnahme von Unternehmen wie SpaceX, OpenAI und Anthropic in die wichtigsten Aktienindizes trotz ihrer kombinierten Bewertung von über 4.000 Milliarden US-Dollar nur schrittweise. Dies liegt daran, dass maßgeblich für die Gewichtung der Streubesitz und nicht die gesamte Marktkapitalisierung ist. SpaceX brachte beispielsweise nur rund vier Prozent seiner Aktien in den Handel. Zusätzlich gibt es sogenannte Lock-up-Perioden, die frühen Anteilseignern oft erst 90 bis 180 Tage nach dem Börsengang den Verkauf gestatten.

  • Bei den zehn größten Börsengängen zwischen 2010 und 2025 lag der Streubesitz am ersten Tag durchschnittlich bei 45 Prozent.
  • Nach sechs Monaten erhöhte sich dieser Anteil auf rund 80 Prozent.
  • Zweitens werden neu gelistete Unternehmen nicht automatisch ab dem ersten Tag in alle Referenzindizes aufgenommen; S&P Global verlangt beispielsweise zwölf Monate Handelshistorie für eine Aufnahme in den S&P 500.

Die entscheidende Bewertungsfrage, ob diese Technologieunternehmen einen Ertrag aus ihren Investitionen erzielen, bleibt offen und hängt davon ab, ob auch Unternehmen außerhalb des Technologiesektors ihre Produktivität und Rentabilität steigern können. Für Anleger ergibt sich laut Aaron Hussein eine klare Folgerung: Um die gesamte Bandbreite des Wirtschaftswachstums zu nutzen und bereits in frühen Phasen an der Wertschöpfung zu partizipieren, ist eine Präsenz sowohl auf öffentlichen als auch auf privaten Märkten zunehmend erforderlich.

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