Das Batteriespeicherprojekt in Förderstedt, ein gemeinsames Vorhaben von Next Kraftwerke und ECO STOR, der als führender Entwickler von Batteriespeichern in Deutschland gilt, hat eine bedeutende vertragliche Grundlage erhalten. Ein fünfjähriges Flexibility Tolling-Agreement sichert die Vermarktung der Anlage langfristig ab und unterstreicht die Entwicklung des Marktes für großskalige Batteriespeicher in Deutschland.
Next Kraftwerke wird voraussichtlich ab November 2026 den ersten von drei Speicherblöcken mit einer Leistung von jeweils 100 MW in den Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkten einsetzen. Die sukzessive Inbetriebnahme der weiteren Blöcke ist für das folgende Jahr geplant. Nach vollständiger Integration wird der Speicher eine Gesamtleistung von 300 MW und eine Kapazität von über 700 MWh erreichen.
Funktionsweise und Netzstabilisierung
Die Anlage ist darauf ausgelegt, flexibel auf Preissignale und Netzbedingungen zu reagieren. Sie speichert überschüssigen Strom während Phasen hoher Erzeugung oder geringer Last und speist diesen bei geringer Erzeugung oder hoher Last wieder ins Netz ein. Darüber hinaus trägt der Speicher zur Stabilität des Stromnetzes bei, indem er Frequenzschwankungen und kurzfristige Netzungleichgewichte ausgleicht. Er stellt zudem Blindleistung für die Spannungshaltung im Netz bereit. Die Anlage ermöglicht zwei vollständige Lade- und Entladezyklen pro Tag und kann rechnerisch rund 500.000 Haushalte für zwei Stunden beziehungsweise 100.000 Haushalte für zehn Stunden mit Strom versorgen. Im Falle eines Stromausfalls ist eine autonome Wiederherstellung der Stromversorgung durch den Speicher möglich.
Der CEO von Next Kraftwerke, Marc Rühs, äußerte, dass das Tolling-Modell einen neuen Standard in der Speichervermarktung etabliert und verlässliche Rahmenbedingungen für die Partner schafft. Er betonte, wie moderne Optimierungsalgorithmen und intelligente Marktintegration dabei zusammenwirken. Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von ECO STOR, hob die Verbindung von technologischer Innovationskraft mit klar definierten betrieblichen Leitplanken hervor. Er betonte, dass netzseitige Anforderungen wie Rampengeschwindigkeiten oder die Bereitstellung von Regelreserve konsequent berücksichtigt werden, um einen netzdienlichen und gleichzeitig marktorientierten Betrieb zu gewährleisten.
Finanzierung und Marktpositionierung
Das Vertragsmodell kombiniert ein Tolling-Agreement für 80 Prozent der Leistung mit einer flexiblen, marktpreisorientierten Vergütung, dem sogenannten Merchant-Anteil, für die verbleibenden 20 Prozent. Dies ermöglicht Next Kraftwerke die vollständige Flexibilität, die Batterie marktübergreifend dort einzusetzen, wo die höchsten Erlöse erzielt werden. Flexibility Purchase Agreements sind in Deutschland ein noch junges Vermarktungsmodell für Batteriespeicher. Die Kombination aus Tolling und Merchant macht großskalige Batteriespeicherprojekte für Banken und Investoren finanzierbar. Next Kraftwerke vermarktet seit 2018 erfolgreich Batteriesysteme im Regelenergiemarkt und in den Spot-Märkten.
Vor dem Hintergrund der aktuellen energiepolitischen Diskussion erhalten stabile Vermarktungsmodelle eine erhöhte Bedeutung. Offene regulatorische Fragen und uneinheitliche Marktsignale sind Faktoren, die zu Unsicherheiten und gestiegenen Finanzierungsanforderungen für Speicherprojekte führen können. Strukturierte Vermarktungsmodelle mit klarer Risikoverteilung schaffen in diesem Umfeld die notwendige Stabilität für Investitionsentscheidungen. ECO STOR und Next Kraftwerke setzen mit der Vereinbarung für Förderstedt ein klares Zeichen, dass großskalige Batteriespeicher auch unter anspruchsvollen regulatorischen Bedingungen wirtschaftlich tragfähig strukturiert werden können. Das rein privat finanzierte Projekt stellt nicht nur einen technologischen Fortschritt dar, sondern trägt auch zur Versorgungssicherheit und der Zukunftsfähigkeit der Energieinfrastruktur bei.




