Im ersten Halbjahr 2026 erreichte der deutsche Hotelinvestmentmarkt ein Transaktionsvolumen von rund 741 Millionen Euro. Dieser Wert liegt circa 18 Prozent unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, in dem 901 Millionen Euro registriert wurden. Das erste Halbjahr 2025 stellte jedoch einen außergewöhnlich starken Zeitraum dar, der das Volumen des vorherigen Halbjahres 2024 (460 Millionen Euro) nahezu verdoppelte. Insgesamt wurden im abgelaufenen Halbjahr 28 Abschlüsse registriert, darunter fünf Portfoliodeals. Von maßgeblicher Bedeutung war hierbei der Verkauf des Penta-Portfolios, dessen Transaktionsvolumen von etwa 275 Millionen Euro zu den signifikantesten Portfoliotransaktionen des Jahres zählt. Die durchschnittliche Transaktionsgröße belief sich auf rund 27 Millionen Euro und hielt sich damit auf einem stabilen, wenn auch niedrigeren Niveau.
Stefan Giesemann, Managing Director der JLL Hotels & Hospitality Group, merkte an, dass der deutsche Hotelinvestmentmarkt dynamisch ins Jahr 2026 startete. Er führte aus, dass geopolitische Faktoren und eine temporäre Unsicherheit im Betreibersegment im zweiten Quartal zwar zu einer leichten Abkühlung führten, das grundlegende Interesse an der Assetklasse jedoch bestehen bleibe. Im Vorjahr sei das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr maßgeblich durch drei prominente Einzeltransaktionen – das Motel One Upper West, das Mandarin Oriental München und das Steigenberger am Kanzleramt in Berlin – beeinflusst worden, deren Äquivalente in diesem Jahr fehlten. Dennoch blieben Hotels, gestützt durch solide Fundamentaldaten, eine der liquideren und gefragteren Anlageklassen in Deutschland.
Die anhaltende internationale Investorennachfrage, welche über die Hälfte des Transaktionsvolumens ausmache, wurde von Giesemann als klares Indiz für die strukturelle Attraktivität Deutschlands als Hotelinvestitionsstandort gewertet. Die Spitzenrenditen entwickelten sich stabil seitwärts, da der im Juni erfolgte EZB-Zinsschritt bereits in den Erwartungen der Investoren berücksichtigt worden war. Giesemann ergänzte, dass aktuell ein attraktives Angebot an Investmentmöglichkeiten sowohl im Value-add- als auch im Core-Segment vorhanden ist, was die Grundlage für eine anhaltend starke Nachfrage bilde. Für das zweite Halbjahr wurde eine robuste Marktaktivität prognostiziert, wobei ein Gesamtjahresvolumen auf dem Niveau von 2025, nahe der Zwei-Milliarden-Euro-Marke, als realistisch erachtet wurde.
Finanzierungsumfeld und wesentliche Transaktionen
Dominik Rüger, Senior Director Debt & Structured Finance JLL EMEA, beleuchtete das Finanzierungsumfeld für Hotelimmobilien. Erwähnt wurde, dass sich die Liquidität im deutschen Hotelfinanzierungsmarkt in den vergangenen 18 Monaten signifikant verbessert hat. Sowohl deutsche als auch internationale Senior-Banken und Debt Funds agieren aktiv am Markt. Die operative Erholung des Hotelsektors nach der Pandemie habe das Vertrauen der Kreditgeber nachhaltig gestärkt. Senior-Finanzierungen sind derzeit typischerweise bei Loan-to-Value-Verhältnissen von 55 bis 65 Prozent verfügbar, abhängig von Standort und Objektqualität. Die Finanzierungskonditionen haben sich stabilisiert, mit einem leichten Rückgang der Margen im Vergleich zu den Jahren 2024 und 2025. Dies unterstreicht eine wachsende Attraktivität der Assetklasse auch aus Finanzierungssicht und schafft eine solide Basis für Transaktionen im weiteren Jahresverlauf.
- —die Akquisition des Luxusresorts „Der Öschberghof“ im Schwarzwald durch die Zech Group, bei der JLL als exklusiver Vermittler agierte
- —der Verkauf des Excelsior Hotel München durch die Geisel Privathotels an BlackRock für rund 60 Millionen Euro
- —der Erwerb des Excelsior Hotel Berlin durch den israelischen Owner-Operator Brown Hotels für rund 50 Millionen Euro
Auf der Portfolioseite dominierte die Transaktion des Penta-Hotel-Portfolios, welches ein europäisches Hotelportfolio mit deutschem Schwerpunkt darstellt. Hierbei veräußerte Aroundtown sechs deutsche Hotelimmobilien an Ogilvy Capital. Giesemann sieht darin ein klares Signal für das anhaltende Interesse internationaler Investoren an strukturierten Hotelportfolios mit deutschem Fokus.
Investoren- und Strategieprofile
Die aktivste Käufergruppe im ersten Halbjahr 2026 waren erneut sehr vermögende Privatpersonen (HNWI) und Family Offices, die einen Anteil von rund 37 Prozent am Gesamttransaktionsvolumen beisteuerten (ca. 272 Millionen Euro). Institutionelle Investoren folgten mit 35 Prozent (ca. 262 Millionen Euro), während Hotelbetreiber etwa zwölf Prozent (ca. 94 Millionen Euro) des Volumens ausmachten. Private-Equity-Investoren trugen rund zehn Prozent (ca. 75 Millionen Euro) bei. Ausländische Investoren waren mit mehr als der Hälfte des Transaktionsvolumens (ca. 410 Millionen Euro) eine tragende Säule des deutschen Hotelinvestmentmarktes.
Hinsichtlich der Investitionsstrategien dominierten wertschöpfungsorientierte Ansätze das Marktgeschehen im bisherigen Jahresverlauf. Value-add- und opportunistische Transaktionen erreichten zusammen etwa 433 Millionen Euro, was rund 60 Prozent des Gesamtvolumens entspricht. Core-Investitionen trugen mit circa 259 Millionen Euro etwa 36 Prozent bei, die verbleibenden Anteile wurden durch Core-plus-Transaktionen erzielt. Dieser Schwerpunkt auf Value-add- und opportunistischen Produkten deutet darauf hin, dass Investoren gezielt Repositionierungspotenziale suchen. Die anhaltende Core-Nachfrage signalisiert parallel ein weiterhin gesundes institutionelles Interesse. Heidi Schmidtke, Managing Director der JLL Hotels & Hospitality Group, ergänzte, dass der Hotelbetreibermarkt im ersten Halbjahr 2026 stark von der Insolvenz der Revo Hospitality Group beeinflusst wurde, einer großen Multibrand-Hotelbetreibergesellschaft. Dies führte zur Aufspaltung der Gruppe und zum Eintritt neuer Betreibergesellschaften in den deutschen Hotelmarkt.




