Der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung des Münchner Stadtrats hat den Beschluss zur Gründung einer zentralen Umbauagentur mit dem Titel „Büro zu Wohnen“ vorberatend gefasst. Diese Initiative reagiert auf den angespannten Wohnungsmarkt, einen prognostizierten Leerstand von zehn Prozent bei Büroimmobilien im ersten Quartal 2026 sowie die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Ressourcennutzung. Die Agentur soll die systematische Aktivierung und Umwandlung bestehender Flächen fördern.
Als Teil dieser strategischen Ausrichtung hatte Oberbürgermeister Dominik Krause unmittelbar nach seinem Amtsantritt das Referat für Stadtplanung und Bauordnung beauftragt, innovative Lösungen für die Umnutzung von leerstehenden Büroimmobilien zu erarbeiten und die entsprechenden Aufgaben in der neuen Umbauagentur zu bündeln. Oberbürgermeister Krause hob hervor, die Umwandlung leerer Büros in Wohnungen sei ein wichtiger Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes und zur nachhaltigen Nutzung vorhandener Ressourcen, wobei die Umbauagentur als Motor dieser Entwicklung fungieren werde.
Strategische Relevanz und Potenziale
Stadtbaurätin Professorin Dr. (Univ. Florenz) Elisabeth Merk unterstrich die Bedeutung der Stadtratsentscheidung als Baustein für eine zukunftsweisende Strategie, die München als nachhaltige und umbauorientierte Stadt positioniere. Sie äußerte ihre Erwartung hinsichtlich erster Pilotprojekte und einer dynamischen Weiterentwicklung. Die Thematik der Umnutzung gewinnt bundesweit an Bedeutung; die Bundesregierung hat das Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ aufgelegt, und der Freistaat Bayern unterstützt das Modellprojekt „Leerstand jetzt WOHNEN“.
Das ifo-Institut München schätzt in seiner Studie „Homeoffice und die Zukunft der Büros“ ein theoretisches, baurechtliches Potenzial von etwa 60.000 Wohnungen in den Top-7-Städten Deutschlands ein. Die Münchner Umbauagentur wird spezifisch das realistische Potenzial für die Stadt München identifizieren. Auch Gewerbegebiete sollen in die Betrachtung einbezogen werden, da in geeigneten Fällen eine Wohnnutzung mittels entsprechender Befreiungen ermöglicht werden kann, unterstützt durch den „Bau-Turbo“.
Die Aufgaben der Umbauagentur umfassen aktives Zugehen auf Eigentümer leerstehender Büroimmobilien, die Begleitung von Umbauprojekten von der Konzeption bis zur Realisierung sowie die Beratung bezüglich Fördermöglichkeiten. Ferner wird die Agentur den Austausch zwischen privaten und städtischen Akteuren fördern und ein Netzwerk aus Fachleuten, Wissenschaft und Zivilgesellschaft etablieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der temporären Umnutzung für „junges Wohnen“, insbesondere für Auszubildende, Studierende und junge Berufstätige. Angestrebt wird die Aktivierung von fünf Pilotprojekten noch im laufenden Jahr.
Umfassende Strategie zur Stadtentwicklung
Interessierte Eigentümer leerstehender Büroimmobilien sind aufgefordert, ihre Überlegungen direkt an die Umbauagentur heranzutragen. Die Gründung der Agentur ist integraler Bestandteil einer umfassenden Strategie des Referats für Stadtplanung und Bauordnung, welche den Herausforderungen des Wohnungsmarktes, des Klimawandels und der Ressourcenknappheit begegnen soll. Bereits im April 2025 fand eine Fachveranstaltung unter dem Titel „München wird Umbaustadt“ statt, bei der intensiv über die Chancen im Umgang mit Bestandsflächen diskutiert wurde. Im zweiten Halbjahr 2026 wird der Stadtrat die „Münchner Umbaustrategie“ behandeln. Die aktuelle Gründung der Umbauagentur markiert den Auftakt dieser umfassenden Initiative.




