Der deutsche Hochbau wird voraussichtlich auch im Jahr 2026 keine substantielle Erholung erfahren. Trotz eines weiterhin hohen Bedarfs, insbesondere im Wohnungssegment, beeinträchtigen hohe Baukosten, gestiegene Zinsniveaus und globale Unsicherheiten die Nachfrage. Eine Strategie- und Transaktionsberatung prognostiziert nach einem Rückgang der Bautätigkeit um 3,6 Prozent im Jahr 2024 und weiteren 1,9 Prozent im Jahr 2025 für das laufende Jahr ein leicht reduziertes Minus von 0,2 Prozent. Eine tatsächliche Erholung mit einem realen Wachstum von 0,8 Prozent wird erst ab dem Jahr 2027 erwartet, mit einer potenziellen Steigerung auf 1,2 Prozent im Jahr 2028.
Demgegenüber präsentiert sich das Infrastruktursegment der Bauindustrie als wesentlicher Wachstumstreiber. Getragen durch signifikante öffentliche Investitionen, verzeichnet dieser Bereich ein reales Wachstum von etwa 4 Prozent. Volkmar Schott, Partner bei EY-Parthenon, betonte in diesem Zusammenhang, dass Infrastructure-Programme und ein hoher Modernisierungsbedarf in Sektoren wie Transport, Wasser und Energie dieses beständige Marktwachstum auch in den kommenden Jahren sichern dürften. Obwohl das jährliche Marktvolumen des Infrastrukturbaus monetär nur etwa ein Viertel des Hochbauvolumens ausmacht, könnten die zunehmenden Aktivitäten in diesem Bereich die Rückgänge im Hochbau im Jahr 2026 kompensieren.
Herausforderungen im Wohnungs- und Nichtwohnungsbau
Der Hochbau leidet primär unter dem Einbruch im Wohnungsneubau. Sowohl im privaten Eigenheimsektor als auch im gewerblichen Geschosswohnungsbau konnte im Jahr 2025 ein Rückgang von jeweils 6,9 Prozent verzeichnet werden. Björn Reineke, ebenfalls Partner bei EY-Parthenon, führte aus, dass der Bedarf an Wohnraum zwar unverändert hoch sei, jedoch die derzeitigen Baupreise, Zinsen und Unsicherheiten zu einem Nachfragerückstau geführt hätten. Er schlug vor, dass ein Abbau regulatorischer Vorgaben sowie ein konsequenteres Kostenmanagement die Nachfrage wieder beleben könnten, wenngleich eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau mittelfristig unwahrscheinlich sei.
Auch der Nichtwohnungs-Neubau verzeichnet eine rückläufige Entwicklung, wenn auch moderater. Der Wirtschaftsneubau sank im vergangenen Jahr um 1 Prozent, der öffentliche Hochbau um 0,6 Prozent. Viele Unternehmen verlagern Investitionen ins Ausland oder in staatlich stimulierte Sektoren wie den Infrastrukturbau, bedingt durch eine schwache Konjunktur und höhere Standortrisiken wie Lohnkosten und Energiepreise. Üblicherweise stabilisierende Modernisierungsmaßnahmen zeigten im Jahr 2025 ebenfalls einen Rückgang, insbesondere im Bereich energetischer Sanierungen, was auf unsichere Förderbedingungen und hohe Kosten zurückzuführen ist.
Vorsichtige Erholung und politische Maßnahmen
Für den Hochbau wird im Zeitraum von 2026 bis 2028 keine rasche Erholung, sondern eine allmähliche Stabilisierung erwartet. Effiziente Kostenstrukturen und eine maßvolle Preisgestaltung sind entscheidende Faktoren für das zukünftige Marktwachstum, um eine Dämpfung der Nachfrage durch zu starke Weitergabe von Kostensteigerungen an die Kunden zu vermeiden. Ein positives Signal ist die robuste Entwicklung des Neugeschäfts mit Baukrediten in den Jahren 2024 und 2025, welche zeigt, dass Banken weiterhin solide Bauvorhaben finanzieren.
Politische Maßnahmen könnten ebenfalls zur Entlastung des Marktes beitragen. Reformen des Baugesetzbuches, Bürokratieabbau und beschleunigte Genehmigungsverfahren zielen darauf ab, bestehende Hemmnisse zu reduzieren. Außerdem werden seit 2025 jährlich 3,5 Milliarden Euro zusätzlich in den sozialen Wohnungsbau investiert, was insbesondere den geförderten Mietwohnungsbau stützen soll. Die Bundesregierung hat zudem 2025 ein Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität in Höhe von rund 500 Milliarden Euro aufgelegt. Ein Großteil dieser Mittel, 55 Prozent, ist für den Infrastrukturbau vorgesehen, während 18 Prozent dem Hochbausegment zugutekommen.




