Das Statistische Bundesamt hat die Anzahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen für Mai 2026 veröffentlicht, welche einen leichten Rückgang um 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat aufweisen. Der aktuelle Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bestätigt diesen leichten Abwärtstrend auch für Juli 2026, mit 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften, was einem Rückgang von einem Prozent gegenüber Juni 2026 entspricht. Diese Entwicklung ist nach Auffassung von Dr. Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID), primär Ausdruck eines wirtschaftlichen Strukturwandels und keiner flächendeckenden Insolvenzwelle.
Dr. Niering führt aus, dass nicht jedes Geschäftsmodell, welches vor zehn Jahren erfolgreich war, den heutigen Marktbedingungen gerecht wird. Unternehmen sehen sich durch verändertes Konsumverhalten, die fortschreitende Digitalisierung, höhere Finanzierungskosten und neue Formen der Arbeitsorganisation einem erheblichen Anpassungsdruck ausgesetzt. Dies erfordert eine sachliche Betrachtung und eine präzise Einordnung der Folgen des notwendigen Strukturwandels, ohne in Alarmismus zu verfallen.
Implikationen für den Immobilienmarkt
Insbesondere der Markt für Gewerbeimmobilien spiegelt diesen Strukturwandel wider. Seit der Coronakrise hat sich die Arbeitswelt grundlegend verändert, was sich in der verstärkten Nutzung von Homeoffice, digitalen Prozessen und papierlosen Büros manifestiert. Dies reduziert für viele Unternehmen den Bedarf an traditionellen Büro- und Archivflächen. Parallel dazu erfährt der stationäre Einzelhandel seit Jahren einen signifikanten Druck, der eine Anpassung von Geschäftsmodellen und Flächennutzungen erfordert.
Diese Veränderungen bedeuten jedoch nicht, dass Immobilien ihren Wert vollständig verlieren. Vielmehr geht es um einen Wertberichtigungsbedarf, nicht um einen Totalverlust. Entscheidend ist die Frage, ob die Immobilien dort eingesetzt werden, wo eine tatsächliche Nachfrage besteht. Als Beispiel hierfür dient die Umnutzung geeigneter Gewerbe- und Büroimmobilien zu Wohnungen, insbesondere in Städten mit knapper Wohnraumversorgung. Die Nachfrage nach Wohnraum ist persistent, auch wenn nicht jede einzelne Wohnimmobilie in jedem Fall wirtschaftlich erfolgreich ist.
Ausblick und Anpassungsnotwendigkeit
Dr. Niering betont, dass die aktuelle Entwicklung des Insolvenzgeschehens keinen Anlass für Alarmismus bietet, sondern ein Indikator für den wirtschaftlichen Wandel ist. Obwohl jede Insolvenz für die Betroffenen schmerzhaft sei und erhebliche Konsequenzen mit sich bringe, würden dort, wo alte Geschäftsmodelle nicht mehr tragfähig sind, Kapazitäten frei. Es ist entscheidend, dass Kapital, Flächen und Arbeitskräfte zukünftig in zukunftsfähige Nutzungen und innovative Geschäftsmodelle überführt werden können.
Die Insolvenzzahlen sind zwar ernst zu nehmen, stellen aber keinen Beweis für eine flächendeckende Krise der deutschen Wirtschaft dar. Stattdessen sind Anpassungsfähigkeit, Innovationsbereitschaft und der Mut zur Veränderung bestehender Strukturen essenziell, um den Herausforderungen des strukturellen Wandels erfolgreich zu begegnen.














